Gardasee – vier Klettersteige an einem Tag erklimmen

Kleiner Adrenalin-Kick gefällig? Im Ledrotal, welches unweit des Gardasees liegt, kann man sage und schreibe vier tolle Klettersteige an einem Tag gehen. Wir wollen euch im Folgenden diese aufregende Klettersteig-Runde, die atemberaubende Ausblicke auf den Gardasee ermöglicht, vorstellen.

Alles in allem sind alle vier Klettersteige nach unserem empfinden recht leicht (Schwierigkeit A und B) und können damit tatsächlich relativ problemlos an einem Tag bewältigt werden. Auch für ambitionierte, konditionsstarke Anfänger würden wir die komplette Runde empfehlen. Wer sich allerdings nicht ganz sicher ist, kann beispielsweise auch nach dem erfolgreichen Durchlaufen der ersten beiden Via Ferratas die Besteigung des Cima Rocca auslassen und damit frühzeitig den Rückweg ins Tal antreten.

Vermutlich kommt man auf dieser Tour eher aufgrund der italienischen Sonne, verbunden mit der relativ langen Wegstrecke und der fehlenden Möglichkeit sein Wasser unterwegs aufzufüllen, in Schwierigkeiten. Daher unser dringlicher Appell: Startet am besten möglichst früh am Morgen, um den heißesten Stundend es Tages zu entgehen und nehmt ausreichend Wasser (wir empfehlen 1,5-2 Liter pro Person) mit.

Ihr seid noch nie einen Klettersteig gegangen, wollt es aber unbedingt mal ausprobieren?
Wir verraten euch unsere Tipps und Tricks für Klettersteig-Einsteiger!

Start der Klettersteig-Tour am Gardasee ist in Biacesa im Ledrotal

Start dieser ganze besonderen Klettersteig-Tour am Gardasee ist in dem kleinen Ort Biacesa im Ledrotal. Wir sind dorthin mit dem Auto von Riva del Garda aus angereist (ca. 20 min.). Kostenlos parken kann man zum einen direkt links vor dem Ortseingang oder auch direkt im Ort neben dem Sportplatz im Ortskern. Dort weisen informative Tafeln auf die Wander- und Klettermöglichkeiten in der direkten Umgebung hin. Von hier aus startet dann auch direkt der Zustieg zum Klettersteig entlang der gut ausgeschilderten Wanderweg 417 & 470.

Der Zustieg zum ersten Klettersteig des Tages belohnte uns schon vor dem Anlegen der Klettersteigausrüstung, und damit vor dem Startpunkt der eigentlichen Via Ferrata, mit einem Vorgeschmack auf die folgenden fantastischen Ausblicke auf den Gardasee. Insgesamt haben wir bei mäßiger Anstrengung ca. eine Stunde für den Zustieg gebraucht.

Der Klettersteig Fausto Susatti am Gardasee begeistert mit herausragenden Ausblicken

Hat man sich an der ersten Ausblicken sattgesehen und seine Kletterausrüstung angelegt, kann es auch schon losgehen. Der Einstieg wie auch alle weiteren Stellen des Klettersteigs Fausto Susatti, der der längste an diesem Tag ist, sind mit den Schwierigkeiten A und B auch für Kinder und Einsteiger gut zu bewältigen.

Hat man die ersten Kletterstellen erfolgreich überwunden, folgen immer wieder kleine Passagen, auf denen man ungesichert auf einem Wanderweg ein Stückchen zurücklegt. Damit wird zwar der Flow beim Klettern etwas unterbrochen, dafür bekommt man aber auch immer wieder kleine Verschnaufpausen. Besonders gut hat uns an diesem Klettersteig gefallen, dass man viel am Fels klettern kann und es nicht zu viele Stahlbügel gibt.

Highlight des Klettersteigs Fausto Susatti ist der Ausblick auf dem Cima Capi

Highlight des Klettersteigs ist sicherlich die Aussicht vom Gipfel des Cima Capi, den man ca. 10 Minuten nach der letzten versicherten Stelle erreicht. Vom Gipfelkreuz aus hat man einen wunderbaren Blick auf Riva del Garda, Torbole und die vielen Surfer und Segler auf dem nördlichen See. Wir haben diesen Ausblick bei einer kleinen Stärkung genossen, bevor es weiter in Richtung des nächsten Klettersteigs (Mario Foletti) ging.

Der Klettersteig Mario Foletti liegt direkt an alten Kriegsstollen am Gardasee

Um zum zweiten Klettersteig des Tages am Gardasee, der Via Ferrata Mario Foletti, zu gelangen, steigt man ein kurzes Stückchen vom Gipfel des Cima Capi an einem Helikopterlandeplatz vorbei ab, ehe es relativ eben zum Einstieg des Klettersteigs geht. Dort wartet ein erstes Highlight, bevor man das Klettern überhaupt startet: Nur wenige Meter vom Einstieg entfernt kann man sich in einen alten Kriegsstollen wagen, der noch aus dem ersten Weltkrieg stammt. In der Region Garda-Trentino lag die Frontlinie zwischen Italien und Österreich-Ungarn, entlang derer die italienischen Soldaten eine große Anzahl dieser Stollen errichteten. Unser Tipp: Auf jeden Fall eine Stirnlampe mitnehmen (die man auch später noch auf einem weiteren Steig benötigt).

Die Via Ferrata Mario Foletti begeistert mit kurzem, aber knackigem Klettern

Hat man die alten Stollen erkundet, steigt man über eine langgezogene, horizontale Kletterstelle in die Via Ferrata Mario Foletti ein. Dieser Stelle schließen sich ein paar vertikale Kletterstellen, die nicht ohne Anspruch sind, an, ehe man zum Ende des Steigs einige Höhenmeter nach unten überwinden muss.

Uns hat dieser Klettersteig am Gardasee trotz der Kürze sehr viel Spaß gemacht, da neben einigen schönen Ausblicken ein paar wirklich schöne Kletterstellen dabei waren. Auch dieser Steig ist für Kinder und Einsteiger gut zu meistern.

Nach der Hälfte der Klettersteige am Gardasee ist Zeit für eine Pause

Hat man den Klettersteig Mario Foletti gemeistert, sind es nur noch ein paar Hundertmeter bis zur Hütte Bivacco Francesco Arcioni. Als wir dort unterwegs waren (August 2021), war die Hütte leider nicht bewirtschaftet/offen, sodass man sein Wasser nicht auffüllen, oder gar ein kühles Getränk erstehen, konnte. In anderen Berichten haben wir allerdings gelesen, dass die Hütte doch ab und an geöffnet sein soll.
Unsere Empfehlung: Plant lieber ein, dass ihr unterwegs euer Wasser nicht auffüllen könnt und nehmt daher ein wenig mehr mit.
Wir haben die einladenden Bänke vor der Hütte trotzdem für eine kleine Verschnaufpause während unserer Klettersteig-Tour am Gardasee genutzt und haben ein wenig die wieder tolle Aussicht genossen.

Nach der Chiesa San Giovanni steht der dritte Klettersteig Sentiero dei Camminamenti an

Von der Hütte führt der Weg dann nur ein paar Meter weiter zur Chiesa San Giovanni, einer kleinen Kapelle, die sich hier in die bergige Landschaft einfügt. Und dann ist Entscheidungszeit: An dieser Stelle kann man nämlich wählen, ob Beine, Kopf und Arme noch fit genug sind, um den zweiten Gipfel es Tages, den Cima Rocca, zu bezwingen oder man doch lieber entspannt den Weg zurück nach Biacesa einschlägt.

Für die zweite Option muss man einfach den Schildern nach Biacesa entlang des Wanderweges folgen und steigt eine gute halbe Stunde ab. Wer noch fit ist, nimmt den dritten Klettersteig Sentiero dei Camminamenti noch mit.

Über den Sentiero dei Camminamenti gelangt man auf den Gipfel des Cima Rocca

Wir haben diese Möglichkeit natürlich nicht verstreichen lassen, da wir unbedingt noch auf den zweiten Gipfel wollten. Da der Klettersteig größtenteils aus Wanderstellen besteht, ist er vom Schwierigkeitsgrad (A/B) der Einfachste des Tages. Es ist zwar ein Großteil des Weges mit Seilen versichert, wirklich brauchen tut man diese aber nur an sehr wenigen Stellen.

Ein Highlight des Sentiero dei Camminamenti sind sicherlich die alten Kriegsstollen, durch die der Klettersteig führt. Achtung: Unbedingt eine Stirnlampe (oder alternativ mindestens ein Smartphone mit Taschenlampe) dabei haben und in den Stollen auf die Markierungen achten, die den Weg weisen. Es könnte unter Umständen sein, dass Malte fast in einen ungesicherten Stollen abseits des Weges geklettert wäre, der definitiv abseits der Route lag. Hatte er anders gesehen, seinen Fehler aber später eingestehen müssen.

Durch alte Kriegsstollen geht es dem Gipfel entgegen

Hat man den Weg durch die Stollen und über die Leiter überwunden, ist es nicht mehr weit zum Gipfel des Cima Rocca. Dort wartet nach den Strapazen des Tages einmal mehr – wer hätte das gedacht – ein super Ausblick auf den Gardasee und die kleine Ortschaft Biacesca, in der die Wanderung gestartet ist. Wir haben den Moment sehr genossen und es nicht verpasst, uns um Gipfelbuch zu verewigen.

Entspannt geht es nach drei Klettersteigen zurück nach Biacesca

Wer mag, kann vom Gipfel des Cima Rocca einen Wanderweg zurück zur Chiesa San Giovanni nehmen. Wir haben uns dafür entschieden, den Klettersteig rückwärts zurückzugehen, was ebenfalls problemlos möglich war. Ist man an der Kapelle angelangt, kann man entweder über den oben beschriebenen Wanderweg oder alternativ über die Via Ferrata Laste (das wäre dann der vierte Klettersteig des Tages) absteigen.

Da wir tatsächlich nach den drei bewältigten Klettersteigen doch recht geschafft waren und wenig Lust hatten, die Via Ferrata Laste falsch herum – sprich abwärts – zu begehen, haben wir uns für den Abstieg über den Wanderweg entschieden. Aus diesem Grund können wir zur Via Ferrata Laste wenig sagen, außer dass sie nominell die Einfachste des Tages sein sollte. Hier gibt es allerdings ein paar weitere Infos zum möglichen vierten Klettersteig des Tages.

Der Abstieg entlang des Wanderweges hat uns dann noch einmal ca. eine Stunde gekostet und ist leider nicht super angenehm zu gehen. Geröllige, waldige Stellen wechseln sich mit ungleichmäßigen asphaltierten Passagen ab, sodass Vorsicht geboten war und auch die Knie nicht geschont wurden. Heil unten angekommen sind wir natürlich trotzdem.

Fazit zu unserer Klettersteig-Tour am Gardasee: Unbedingt machen!

Wie vielleicht schon aus unserem Bericht hier herauszulesen war, waren wir absolut begeistert von diesen Klettersteigen am Gardasee und den unglaublich tollen Ausblicken. Klettertechnisch ist die Tour für die Allermeisten sicher keine allzu große Herausforderung, aber durch die Gesamtlänge auch kein Spaziergang.

Ein Vorteil ist, dass die Runde verschiedene Möglichkeiten zum Abkürzen bietet und so auch individuell an die eigene Kondition und Motivation angepasst werden kann. Beachten solltet ihr sicherlich, dass fast die gesamte Kletterstrecke in der Sonne liegt und das an heißen Tagen natürlich zusätzlich Kräfte kosten kann. Unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen!

Solltet ihr das beachten, steht einem tollen Tag in atemberaubender Natur so gar nichts im Wege – und das auch für Klettersteig-Anfänger.

Übrigens, wer auch unsere kulinarischen Tipps für den Gardasee nicht verpassen will oder lesen möchte was einen Urlaub am Gardasee sonst so ausmacht, bleibt am besten direkt hier auf dem Blog.

Klettersteigübersicht Vier Klettersteige an einem Tag am Gardasee

Startpunkt: Ortskern von Biacesa del Ledro; am Sportplatz gibt es kostenlose Parkplätze
Topo und Klettersteiginfos: gibt es hier
Länge: ca. 8km
Höhenmeter: ca. 750hm
Dauer: Zustieg ca. 1 Stunde; Klettersteige ca. 4 Stunden (3 Stunden ohne den vierten Klettersteig); dann ca. 1 Stunde Abstieg
Schwierigkeit: leicht
Wetter: wie immer gilt: trockenes Wetter ist für die Klettersteige wünschenswert
Verpflegungsmöglichkeiten: keine Verpflegungsmöglichkeit auf dem Weg (auch keine Möglichkeit, Wasser aufzufüllen), Bar Le Grotte (Villa Alma) in Biacesa
Streckeninfos/GPX für euer Smart Device: gibt es hier

Weitere tolle Kletterabenteuer bei Kommrum Reisen

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Stefan sagt:

    Wow!!!!! Da hab ich aber etwas verpasst als ich das letzte Mal in Riva war. Folglich muss ich da unbedingt noch mal hin. Vor allen der Stollen sieht abenteuerlich aus.
    Herzlichen Dank für den Tipp und die ausführliche Beschreibung.

    Gefällt 1 Person

    1. Sehr gerne!! 🙂 Und ja – unbedingt machen!

      Gefällt mir

  2. Corinna sagt:

    Hallo ihr Beiden,
    da bekomme ich gleich Lust, auch mal einen Klettersteig zu gehen. Die Ausblicke auf den Gardasee sind ja der Hammer 🙂 Eine ähnliche hatten wir bei einer normalen Wanderung in Garda auch mal. Es ist einfach so schön dort.
    Liebe Grüße
    Corinna

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Corinna,

      du solltest unbedingt mal einen Klettersteig ausprobieren! 🙂
      Und gerade diese am Gardasee eignen sich super für Anfänger.

      Viele Grüße

      Nina & Malte

      Gefällt mir

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