Klettersteigkurs für Einsteiger

Oder: Wie man den Flachländer AN den Berg bringt.

(Info: Wir veröffentlichen immer mal wieder Beiträge, die nicht nur besonders informativ sind, sondern auch unser beider Meinung wiedergeben sollen. In dem Fall könnt ihr Ninas Meinung an der bekannten grauen Schrift erkennen und Maltes an der auffälligeren grünen)

Ja, wir mögen die Berge. Ja, das könnte man auch schon aus unseren vorherigen Blogartikeln verstanden haben. Ja, wir sind aus Delmenhorst und Gelsenkirchen. Nein, dort gibt es eher weniger Berge.

Während wir uns also über die Jahre an die „normale“ Wandertour immer weiter herangewagt haben (quasi unsere natürliche Umgebung verlassen haben), war die Vorstellung, einen Klettersteig zu bestreiten, doch eine ganz andere Geschichte. Hinzu kommt – und daher bietet sich dieser Artikel auch für eine Erzählung aus zwei Perspektiven an – dass wir doch recht unterschiedliche Einstellungen zum Thema Höhe haben und nicht unbedingt gleich risikoaffin sind.

Vielleicht gib euch die Tatsache, dass ich (Nina) den Klettersteigkurs vorgeschlagen habe, anstatt „einfach mal loszuziehen“, schon einen Hinweis darauf, wo ich auf der Skala der Risikoaffinität einzuordnen bin. Ganz oben. Natürlich. Zu meiner Verteidigung: Die Entscheidung für einen Klettersteigkurs war genau die Richtige und in den meisten Fällen habe ich tatsächlich mehr Angst um Malte als um mich selbst.

Das stimmt definitiv, ist aber unbegründet (da ich mich nie in Gefahr bringen würde…zumindest nicht bewusst). Während ich ein Draufgänger sondergleichen bin, ist Nina eher vorsichtig. Oder so ähnlich zumindest. Vielleicht bin ich auch nur besser darin, meinen Respekt vor der Höhe zu verbergen. Zumindest so lange, bis es ans Eingemachte geht.

Klettersteigkurs für Einsteiger – das Ganze einfach mal ausprobieren!

Aber zurück zum Thema! Im letzten Sommer war es dann soweit: Wir sind unseren ersten Klettersteig gegangen. Wir haben einfach mal während unseres Urlaubs im Berchtesgadener Land einen Klettersteigkurs gebucht und dann natürlich auch besucht (Fakten zum Kurs findet ihr unten unter dem Artikel). Man kann ohne Zweifel sagen: Das war eine gute Entscheidung.

Unsere grundsätzliche Bitte an alle, die diesen Artikel lesen: Wenn ihr euch das erste Mal an einen Klettersteig wagt, dann nur mit professionellem Bergführer! Alles andere kann ganz schnell schief gehen, denn jeder Sturz am Klettersteig ist ein Unfall, der ernste Folgen für eure eigene und die Gesundheit eurer Mitkletterer haben kann.

Da kann ich nur zustimmen. Ohne die richtige Ausrüstung und Technik am Klettersteig unterwegs zu sein, kann ganz schnell richtig gefährlich werden. Nach einiger Recherche haben wir uns schlussendlich für den Premiumkurs für sportliche Einsteiger der Alpinschule Berchtesgaden (mehr Infos dazu gibts unter dem Artikel) entschieden. Unser Glück: Da am Tag unseres Kurses offensichtlich niemand anderes Lust auf Klettern hatte, haben wir zwei die Tour mit unserem Guide Michi alleine genießen dürfen. Nicht schlecht, oder?

Das Wichtigste zuerst – los geht’s mit der Materialeinführung für den Klettersteig

Bevor man auch nur in die Nähe eines Klettersteiges kommt, wird euch jeder gute Bergführer die Ausrüstung erklären. Auch unser Guide Michi ist damit gestartet. Am Klettersteig besteht diese immer aus einem Hüftgurt mit Beinschlaufen, einem sogenannten Klettersteigset mit zwei Karabinern (eine einfache Bilderbuch hilft bei der Vorstellung) und einem Helm. Dazu wurde uns eine Expressschlinge empfohlen. Warum? Das erklären wir gleich.

Kern der Ausrüstung ist das Klettersteigset, das aus zwei Karabinern besteht, die mit Seilen an einem ca. 2m langen, aufgerollten und vernähten Seil im Päckenformat angebracht sind. Dies wiederum ist am Hüftgurt befestigt. Im Falle eines Sturzes würde das Seil teilweise aufreißen und euren Sturz somit dämpfen (danach braucht ihr allerdings ein neues Klettersteigset). Wichtig für alle, die gerade an einen Klettergarten denken: Ein Klettersteigset ist explizit etwas anderes. Die Seile sind nicht starr und halten euer Gewicht, sondern lösen ca. ab einer Belastung von 120kg aus. Jetzt versteht ihr auch, warum jeder Sturz potenziell ein Unfall ist. Wichtige Info für Malte übrigens. Der hing in seinen Gedanken nämlich schon in seinem Klettersteigset am Berg.

Für alle, die sich fragen, warum nicht wie im Klettergarten eine feste Verbindung genutzt wird, gibt es folgende Antwort: Am Klettersteig kann es schon mal dazu kommen, dass ihr größere Schritte mit mehr Bewegungsfreiheit machen müsst, bei der eine feste, kurze Verbindung nicht reichen würde. Zudem ist es in vielen Fällen besser, ein kurzes Stück zu fallen, als mit dem vollen Gewicht in einer starren Verbindung zu hängen.

Oben hatte ich kurz die Expressschlinge erwähnt, die wir jedem empfehlen würden (einfach beim Guide fragen). Diese besteht aus 2 Karabinern, die mit ca. 20cm vernähtem Seil verbunden sind. Diese Schlinge hält euer Gewicht, sodass ihr euch damit an jedem Punkt einhaken und eine Pause einlegen könnt. Kann in einer steilen Wand ziemlich praktisch sein, wenn man so mal durchschnaufen kann. Quasi das, was Nina mir oben bereits „unterstellt“ hat.

Los geht’s: Erste „Gehversuche“ am Übungsklettersteig

Nachdem wir das Material soweit erklärt bekommen hatten, ging es los. Und zwar am eigens dafür eingerichteten Übungsklettersteig im Tal. Nachdem ich unserem erfahrenen Bergführer Michi frohen Mutes die ersten Meter hinterhergeklettert war, setzte plötzlich die Erkenntnis ein, dass ich mich nun doch schon 10-15 Meter über dem immer ferner wirkenden Boden befand. Mein Gehirn gab diese Information dankenswerter Weise direkt an meine Beine weiter, die sich umgehend mit leicht unkontrolliertem Zittern bedankten. Na wunderbar! Aber unser Guide verstand sein Handwerk auch aus psychologischer Sicht und überzeugte mich rasch davon, dass Atmen, in die Ferne schauen und danach bestenfalls Weiterkletten in dieser Situation Besserung versprechen würden. Noch ein Grund, das erste Mal am Klettersteig nicht vollkommen alleine anzugehen.

Der „Übungsklettersteig“ war tatsächlich auch schon relativ anspruchsvoll. Vor allem, wenn man vorher noch nie geklettert ist. Michi hatte aufgrund unseres sportlichen Aussehens (…das ist zumindest unsere Version der Geschehnisse…) auch direkt entschieden, uns auf die schwere Übungsroute zu schicken. Wahrscheinlich, weil er selbst möglichst schnell an den Berg wollte und gehofft hat, dass wir uns nicht allzu blöd anstellen. Anscheinend hatten wir uns aber tatsächlich ganz gut geschlagen.

Offensichtlich schien die Reaktion meiner Beine auf die Höhe nicht so unnormal gewesen zu sein oder ich hatte mich schnell genug wieder gefangen. Wir verloren nämlich keine Zeit und machten uns auf dem unserem eigentlichen Tagesziel. Dem kleinen Jenner.

Jetzt geht’s los – Wir erklimmen die „echten“ Klettersteige am kleinen Jenner (Berchtesgadener Land)

Dort gibt es glücklicherweise gleich zwei Klettersteige. Vor jedem Klettersteig wartet eine Übersicht der Topographie, die Eckdaten zu Höhenmetern, Länge des Steigs und der Schwierigkeit der einzelnen Abschnitte bietet. Unser Tipp: Immer die Topo genau studieren und danach entscheiden, ob ihr den Steig gehen wollt. Dazu vielleicht auch mal ein kleiner Exkurs zur Schwierigkeit von Klettersteigen. Grundsätzlich gibt es die Stufen A (einfach) bis F (Harakiri), wobei sich bei jeder Stufe die Schwierigkeit verdoppelt. Zu den Schwierigkeitsgraden lässt sich ganz subjektiv zudem sagen, dass A und B auch für Einsteiger wie uns wirklich gut machbar sind. Bei C wird es dann an manchen Stellen schon anspruchsvoll und eine echte Herausforderung.

Schützensteig und Laxersteig – für jeden Geschmack etwas dabei

Um zu den beiden Klettersteigen am kleinen Jenner zu kommen, muss man circa eine Stunde Wanderung einplanen. Alternativ kann man auch die Gondel nehmen, das kam für unseren Guide Michi und uns aber natürlich nicht in Frage. Am kleinen Jenner gibt es, wie schon erwähnt, dann zwei Klettersteige: Den etwas einfacheren Schützensteig (A/B) und den für Hobbykletterer ambitionierten Laxersteig. Der Laxersteig, den wir als erstes machen sollten, hat offiziell Schwierigkeit C (also schon ambitioniert). Späterer Recherchen unsererseits haben ergeben, dass uns Michi verschwiegen hatte, dass der Steig noch nicht ganz fertig war, somit ein paar Tritte fehlten und einige Stellen eher Schwierigkeit D hatten. War aber wahrscheinlich auch besser so…

Es war besser so! Ich bin mir auch bis heute nicht zu 100%ig sicher, ob ich den Steig ohne unseren Bergführer überhaupt nochmal in Angriff nehmen würde. Ok, vermutlich ja.

Klettersteig im Berchtesgadener Land – kurze Panik und mega Ausblicke am Laxersteig

Nachdem der Zustieg zum eigentlichen Klettersteig auf den letzten Metern etwas abenteuerlich war (da der Weg noch nicht fertig war), ging es also los. Und wie! Direkt zum Anfang ging es direkt in die Steilwand, von der man locker ein paar hundert Meter nach unten sehen konnte. Kleine Panikattacke unsererseits inklusive, aber das ist laut Michi normal.

Wir denken alle an meine Reaktion nach den ersten 15 Höhenmetern…und wieder die ganz einfache Lösung: Durchatmen und die Schönheit der Berge genießen (scheint Michas Mantra zu sein; klappte hier am Anfang so mittelgut, wurde aber besser).

Nach den ersten gemeisterten Abschnitten und etwas mehr Sicherheit fing die ganze Angelegenheit an, richtig Spaß zu machen. Ist aber mega anstrengend für Körper und vor allem Geist. Kurzer Ausblick: Abends waren wir vom Kopf her total platt und konnten unsere grandiosen Erfahrung kaum verarbeiten. Zum Glück hatten wir Michi dabei. Der hat ohne Unterlass fleißig Bilder von uns gemacht hat. Sieht mega aus, oder?

Oh ja, wir waren abends platt. Aber sowas von. Einen Muskelkater und den einen oder anderen blauen Fleck nimmt man sich als Souvenir übrigens immer mit.

Bergziege Nina ist übrigens vorgeklettert, ich dann hinterher. Mit dem Vorteil, dass sich eine Körpergröße von 2m an einigen Stücken schon auszahlt und das ganze etwas einfacher gestaltet. Laut Michi ist zwar Größe „vollkommen egal“, trotzdem ist sich die Community online einig, dass gerade am Laxersteig ein paar Stellen sind, die unter 180cm extrem herausfordern sind. Für Nina mit ihren 168cm aber natürlich kein Problem. Was zudem sehr hilfreich war, waren Michis Anweisungen und Kommentare. An manchen Stellen ist man sich nämlich wirklich unsicher, wie man weiterkletternd soll. Eine erfahrene Stimme, die einem den einen oder anderen Tipp geben kann, wirkt da Wunder.

Wer sich übrigens für mehr als unsere subjektive Erfahrung am Laxersteig interessiert: Links mit weiteren Infos gibt es unter dem Artikel.

Der Schützensteig – entspannten Klettern mit mega Aussicht

Nachdem wir den Laxersteig erfolgreich bezwungen hatten (was wir ohne Michi nicht geschafft hätten und trotzdem sehr stolz sind), schlug Michi vor, dass wir den mit A/B klassifizierten Schützensteig alleine machen sollten. Gesagt, getan. Der Steig war deutlich einfacher, hat aber auch mega Spaß gemacht und uns die Sicherheit gegeben, einen Klettersteig alleine zu gehen. Die Bilder, die wir dieses Mal selbst gemacht haben, sehen ja wohl nach einer Menge Spaß aus.

Es war aber auch wirklich eine coole Erfahrung, den ersten Klettersteig alleine zu gehen. Dank der Einführung und der vielen Tipps haben wir uns wirklich sicher gefühlt und konnten die Aussicht noch etwas mehr genießen. Und uns auf ein ebenso verdientes wie kühles Bier als Belohnung freuen.

Klettersteige und wir – eine neue Liebe?

Ja, das kann man wohl so sagen. Unser Tag mit Michi hat uns angefixt. Wir wollen mehr! Und wir dürfen hier schon verraten, dass wir bei unserem nächsten Trip in die Berge wieder geklettert sind. Wo, verraten wir in einem unserer nächsten Artikel. Dazu haben wir uns die Ausrüstung übrigens geliehen, das geht für ca. 25 EUR pro Person und Tag. Wer sich selbst das oben beschriebene Set zulegen will, ist mit ca. 150 EUR dabei. Das wird definitiv eine unserer nächsten Investitionen, damit wir bald wieder angreifen können.

Aber sowas von. Wenn man die erste Panik erstmal erfolgreich überwunden hat, gibt es wenige Wege, die Natur der Berge so intensiv zu genießen und sich dabei körperlich und mental herauszufordern. Das schöne dabei: Wenn man den Umgang mit dem Material und der Ausrüstung ein Mal richtig gelernt hat, fühlt man sich wirklich sicher.

Letzter Tipp von unserer Seite: Die Klettersteige immer nach dem eigenen Können auswählen und nicht direkt zu ambitioniert sein. Aus unserer Sicht hat es sich ausgezahlt – und dazu in unserem nächsten Kletterbeitrag mehr – zum „Reinkommen“ mit einfacheren Steigen wieder anzufangen, ehe man sich an die größeren Herausforderungen wagt.

Aus unserer Sicht lohnt sich die Investition in einen Kurs auf jeden Fall, die ca. 120 EUR pro Nase sind mehr als gut angelegt. Wer einen Adrenalinkick sucht, ist am Steig genau richtig – vielleicht probiert’s der ein oder andere von euch ja mal aus.

Unsere Erfahrung dazu, zusammen mit vielen weiteren Wanderertipps für das Berchtesgadener Land, findet ihr in diesem Blogartikel.

Klettersteig für Flachländer – die Fakten:

Klettersteigkurs: Alpinschule Berchtesgaden (Klettersteigschule)
Kosten für den Kurs: 119 EUR pro Person für den Premiumkurs für sportliche Einsteiger (inkl. Ausrüstung)
Klettersteigset: Leihgebühr meist um 25 EUR; ca. 150 EUR Neuanschaffung
Laxersteig (am kleinen Jenner): https://www.berchtesgaden.de/bergsteigen/klettersteige/laxersteig
Schützensteig (am kleinen Jenner): https://www.berchtesgaden.de/bergsteigen/klettersteige/schuetzensteig
Wandern rund um Berchtesgaden: Blogbeitrag

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