Wandern an der Mosel – nur was für Rentner?

Nö. Kann man gleich mal vorweg festhalten. Definitiv auch etwas für die junge Generation von Outdoorfreaks, die voll ausgestattet mit Mammut-Jacke und Wanderstiefeln zum Sonntagsspaziergang aufbricht. Der wir uns übrigens nicht zugehörig fühlen. Spaß hatten wir trotzdem, und zwar jede Menge.

Jetzt fragt ihr euch sicher, wie wir überhaupt darauf gekommen sind. Eigentlich war das nämlich gar nicht unsere Idee, sondern Ninas. Und weil sie die beste Freundin der Welt ( oh je ) ist, habe ich letzten Jahr zu Weihnachten ein ganzes Wanderwochenende inklusive aller Schikanen (Hotel, Essen, etc.) geschenkt bekommen. Einen Termin haben wir zum Glück frühzeitig festgelegt (und zwei Mal verschoben ) und das zweite Juniwochenende genutzt, um eine 2,5-tägige Auszeit zu nehmen. Wo? Genau hier:

  • Landhaus Oster, Ediger Eller
  • Moselsteig Etappe 16 und 17 in umgekehrter Reihenfolge
  • Resturantipps: Willis Restaurant (Flammkuchen und Pizza!)

Ausgangspunkt unserer Unternehmungen war der kleine Ort Ediger-Eller, ca. 50km südlich von Cochem. Warum gerade genau dieses Kaff? Weil von dort nicht nur zwei super schöne, sondern auch die beiden anspruchsvollsten Etappen des Moselsteigs losgehen. Hatte Nina nämlich mal so beschlossen, dass sich der Trip ja auch lohnen muss und wir uns das ruhig zutrauen könnten.

Sina ja jung und sportlich, oder?

Ediger-Eller also. Untergekommen sind wir im sehr zu empfehlenden Mosel Landhaus Oster, in dem wir den Altersschnitt der Gäste deutlichst gesenkt haben. War aber trotzdem top – was kann es besseres geben als ein Zimmer mit direktem Moselblick, einen eigenen Whirlpool (den wir nicht geschafft haben zu nutzen) und ein klasse Frühstücksbuffet? Alles eben, was der geneigte Wandersmann so braucht. Bezüglich des Altersschnitts haben sich dann auch direkt am ersten Abend mal alle Vorurteile bestätigt. Wir nach einem freitäglichen Arbeitstag gegen 18:30 Uhr angekommen und gedacht, dass man dann ja gegen halb 8 irgendwo nett essen gehen kann. Tja, gar nicht mal so einfach – die meisten Gastronomen waren nämlich schon dabei zusammenzuräumen. Wir haben aber trotzdem noch einen gefunden, bei dem wir geile Schnitzel, Nina einen leckeren Weißwein vom Weinberg direkt hinterm Haus und ich ein lokales Bier bekommen haben. Geht doch! Danach ging es dann relativ fix ins Bett, am nächsten Tag stand ja immerhin ein ordentlicher Marsch auf dem Programm.

Hätten wir Alternativen zur Abendgestaltung gehabt? Wohl eher nicht. Macht aber auch nichts!

Für den ersten Tag hatten wir uns Etappe 17, die von Ediger nach Beilstein führt, ausgesucht. Zu Bewältigen waren ab unserem Hotel gut 18 km mit mehr als 150 Höhenmetern und der Option, einen Klettersteig mitzunehmen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, den Moselsteig zu finden (ja, ich hatte den Führer, den mir Nina extra dazu geschenkt hatte, vergessen), hatten wir den Zusteig relativ fix bezwungen und wurden mit dem ersten richtig schönen Ausblick belohnt. Und ca. 100l Schweiß – bei mehr als 25 Grad und tropischer Luftfeutigkeit kein Wunder.

Übrigens: spezielle Ausrüstung braucht man bei keiner der beiden Etappen. Wir in unseren Sneakers und normalen kurzen Hosen sind überall gut durchgekommen. Wer richtige Wanderschuhe hat, kann die aber natürlich auch anziehen und ein bisschen Eindruck schinden.

Oder sich die Schmerzen unter den Füßen am nächsten Tag ersparen…

Hat man den Aufstieg erst einmal geschafft, geht es die meiste Zeit relativ sanft hoch und runter. Betonung auf „die meiste“. Es gibt nämlich auch Stücke, die kurzzeitig ganz ordentliche Steigungen bereithalten. Aber auch das ist als einigermaßen sportlicher Mensch gut zu bewältigen. Praktischerweise geht die Etappe nicht nur durch die schönen Weinberge, sondern führt nach ca. der Hälfte der Strecke durch das kleine Örtchen Nehren. Dort kann man in diversen Gastronomien auf der Terrasse verweilen, den Moselblick genießen und sich mit Radler und kleinen Snacks für die zweite Hälfte stärken. Haben wir natürlich gemacht, und zwar…

Nach der Stärkung ging es mal wieder hoch. Und zwar ordentlich. Schließlich mussten wir uns von der Terasse wieder auf Sichthöhe gehen. Nachdem das geschafft war, wurden wir mit allerhand Weisheiten beglückt, ohne die mein Leben um einiges ärmer wäre. Wir wollen euch die besten Universaltipps fürs Leben natürlich nicht vorenthalten, deswegen hier eine kleine Auswahl.

Zum Ende der Etappe wurde es dann doch noch etwas anstrengend, da sich die letzten Kilometer über einen schmalen Waldpfad doch ein wenig zogen. Am Ende wartete dann aber eine Belohnung, denn auf der Burg Metternich (ja, der mit dem Sekt) kann man bei herrlichem Blick eine Schorle mit selbstgemachtem Rhabarbersaft genießen. Man könnte glatt denken, wir wären Fans von guter Gastronomie…wie abwegig. Sekt habe ich übrigens keinen bekommen! 😦

Von der Burg ging es runter nach Beilstein, einen angeblich aus Heimatfilmen (also dem Filmgenre überhaupt) sehr bekannten Ort. Dort nach gut 4 Stunden reiner Wanderzeit schnell ein Eis auf die Faust, mit der Fähre über die Mosel und ab in den Bus zurück nach Ediger-Eller. Der 20 Minuten braucht. Sehr deprimierend.

Wurde aber durch unser Abendessen mehr als ausgeglichen. Schon am Vorabend hatten wir uns einen kleinen Laden ausgeguckt, der Flammkuchen und Pizza aus dem Holzofen anbot. Geil wars! Erst haben wir uns einen Flammkuchen und eine Pizza geteilt, dann noch einen Flammkuchen (von dem ich 3/4 hatte). Und dann hatte ich noch einen süßen Flammkuchen. Aber einen kleinen. Den Kellner hat es gefreut und ich war satt. Also alle zufrieden. Und hundemüde. War auf jeden Fall noch vor halb zehn, als wir schon friedlich geschlafen haben. Jetzt konnten wir uns auch besser an die etwas anders tickenden Uhren anpassen.

Nächster Morgen. Muskelkater. Mist. Merkt man also doch, wenn man 18km durch die Weinberge stiefelt. Aber kneifen gilt nicht. Wir also um 8 aufgestanden, ordentlich gefrühstückt und dann wieder los. Mit ganz großer Freude!!

Dieses Mal auf Etappe 16 des Moselsteigs.

Gaaanz wichtiger Tipp: macht die Etappe andersherum als empfohlen, also mit Startpunkt Ediger-Eller. Warum? Weil ihr so einen grandiosen Kletteraufstieg erlebt, den ich nicht bergab machen wollte. Bergauf ist es zwar heftig steil und sehr anstrengend, macht aber auch mega viel Spaß. Und man hat sogar die Chance, zwischendurch einen Klettersteig mitzunehmen. Dafür würden wir aber echte Wanderschuhe empfehlen, mit Turnschuhen sollte man den nicht unbedingt machen. Sicherung braucht man keine, es sind genügend Möglichkeiten zum Festhalten vorhanden (sagt zumindest der Deutsche Alpenverein).

Inzwischen bin ich schon etwas traurig, dass wir den Klettersteig nicht mitgenommen haben. Naja, nächstes Mal!

Hat man den Weinberg nach einer guten Dreiviertelstunde fast ganz erklommen, wird man mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Das beste daran: hierhin verirren sich nicht viele andere Wanderer, sodass man die Aussicht ganz für sich alleine hat.

Was man vom eigentlichen Highlight der Route leider nicht behaupten kann. Eine knappe halbe Stunde und ein paar Meter höher wartet nämlich nochmal ein Aussichtspunkt. Blöd nur, dass man dorthin mit dem Auto oder Bus fahren kann (Gemein!!). Ergo teilt man sich vollkommen ausgelaugt, schwitzend und am Ende seiner Kräfte die Aussicht mit jeder Menge Menschen, die keinen einzigen Tropfen Schweiß vergossen haben. Aber sei’s drum. Innerlich fühlt man sich dann doch ein bisschen überlegen. Und als Belohung gibt’s anders als unten in den Dörfern auch noch besten 4G Empfang, damit man alle Kanäle bedienen kann (Ganz wichtig 😀 ).

Danach gehts durch Wald, Weinberge und Wiesen seicht und teilweise in Sepentinen wieder hinab ins Tal nach Neef, sodass man als geübter Wanderer wie wir mit Ausdauer wie ein Marathonläufer gegen 12 Uhr das Ende der Route erreicht. Und nach zwei Minuten Bahnfahrt durch einen Tunnel wieder am Ausgangspunkt ist. Das deprimiert etwas, ist dann aber auch wieder gar nicht so schlimm. Schließlich hat man gerade den steilsten Weinberg Europas erklommen. Läuft bei uns!

Rentner haben wir auf den Wanderungen selbst übrigens kaum gesehen. Genauso wie andere Menschen. Insgesamt ein mega lohnenswerter Trip. Super schöne Natur, wie immer leckeres Essen und die Möglichkeit, mal ordentlich abzuschalten. Dabei für uns fix zu erreichen – wir kommen also wieder! Auf jeden Fall.

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