Havanna – sollte man gemacht haben!

In unserem letzten Beitrag haben wir euch allgemeine Infos über unseren doch sehr spontanen Kuba-Urlaub gegeben. So alles eben. Anreise, Hotel, Buchung  etc.

Heute soll es etwas konkreter um unseren Ausflug nach Havanna gehen. Ich meine eine Reise nach Kuba, ohne die weltbekannte Hauptstadt gesehen zu haben? Geht eben gar nicht! Heißt?

Als erstes Mal die Optionen checken. Genau. Man muss ja schließlich wissen, worauf man sich einlässt und wie man seine leider sehr begrenzte Zeit in Havanna verbringen will.

1) Geführter Tagesausflug in die kubanische Hauptstadt: Keine Chance, der Pauschalurlaub an sich hatte uns toleranzmäßig schon an unsere Grenzen gebracht. Hier musste ein Punkt gemacht werden. Aber sowas von. Viel zu teuer und auf herdenmäßige Führungen mit auswendig gelernten Texten hatten wir noch nie Lust.

2) Zweitages-Tour mit Übernachtung in Havanna: Super attraktiv und sicher empfehlenswert. Aufgrund unseres insgesamt sehr kurzen Aufenthalt in dem Karibikstaat aber leider keine Option. Großes leider! Aber wenn man eben schon ein Hotel hat und am Strand ein wenig Ausspannen will, kommt das irgendwie nicht in Frage.

3) Selbst organisierte Tagestour: Genau das, was wir brauchten! Große Überraschung :D. Aber macht eben am meisten Spaß und hat immer ein wenig Abenteuercharakter.

Und so stand nach ein wenig Recherche vor Ort unser Plan. Morgens in der Frühe sollte es mit dem Viazul-Bus Richtung Hauptstadt gehen, abends entsprechend wieder zurück. Kurz einem Taxifahrer das Versprechen abgenommen, dass er uns am nächsten Morgen pünktlich um 7:20 Uhr vor den Pforten des Hotels einsammeln würde und dann stieg die Vorfreude. Gut – eventuell gab es noch einen kleinen Dämpfer. In meiner typischen Nina-Manier schaffte ich es, mich innerhalb von 30 Minuten selbst davon zu überzeugen, dass am nächsten Morgen sicher kein Platz im Bus mehr verfügbar sei. Hatte ja schließlich in einem von 1637246 Blogbeiträgen zum Thema gestanden. Als Randnotiz. Aber Malte wusste zu beruhigen.

Obwohl mein erster Versuch dazu gar nicht mal so erfolgreich war. Ich als Cleverle hatte nämlich vorgeschlagen, dann doch einfach Plätze zu reservieren. An sich eine gute Idee. Ist nur am Abend vorher nicht mehr möglich. Falls jemand etwas längerfristiger plant als wir aber auf jeden Fall empfehlenswert. Mehr Infos dazu findet ihr direkt auf der Viazul Website.

Übrigens: unseren Taxifahrer habe ich direkt vor dem Hotel angesprochen und bewusst NICHT über den Concierge-Service des Hotels gebucht. Vorteil: Man kann easy mit dem Fahrer verhandeln und noch ein bisschen Bares sparen. Faustregel: Immer die Hälfte vom aufgerufenen Preis als Startgebot abgeben und dann ungefähr in der Mitte einigen. Macht Spaß und wird von den Fahrern so erwartet – wer nicht verhandelt, wird schräg angeschaut.

Wir an Bord unseres Oldtimer Taxis (für die Autonerds: ein 59er Cadillac DeVille)

Am nächsten Morgen waren wir dann, in aller Hergottsfrühe und sogar vor den Waffeln beim Frühstück. Enttäuschend! Aber es gab einfach noch keine…Das sollte aber auch die einzige Enttäuschung an diesem Tag bleiben. Der Taxifahrer wartet pünktlich vor dem Hotel auf uns, der Bus hatte selbstverständlich ausreichend freie Plätze und pünktlich um 8:30 machten wir uns auf die ca. 150km lange Reise in die kubanische Hauptstadt.

Wobei der Ticket-Kauf-Vorgang auf typisch kubanischer Art ablief. Hinter einer provisorischen Plexiglasscheibe sitzend verkaufte uns ein der englischen Sprache natürlich nicht mächtiger Mann mit Händen und Füßen ein Ticket. Wobei Ticket übertrieben ist. Es wurden nämlich einfach ein paar unverständliche Zahlenkombinationen mit einem Nadeldrucker aus den 70ern auf ein Papier gedruckt.

Einen klitzekleinen Zwischenfall gab es dann doch noch. Irgendwo hinter der Provinzhauptstadt Matanzas gab unser Bus kurzfristig den Geist auf. Doch ein Mechaniker war schnell gefunden und die Reise konnte mit kurzer Verzögerung weitergehen. Ganz nett war es auch noch:

Die Autodidakten bei der Arbeit
Während Nina die Gegend erkundet…
…muss ja einer ein paar Fotos machen
Unser Freund Fidel war natürlich auch da. Wie überall eigentlich.

Wirklich gut, dass sich die Kubaner immer schnell zu helfen wissen. Gut – wenn man eben keine Ersatzteile bekommen kann und es nur wenige Werkstätten gibt, muss man eben selbst ein paar Skills aufbauen. Sah auf jeden Fall professionell aus und hat dazu bestens funktioniert, diese kleine Reparatur.

Um ca. 11 Uhr hatten wir es dann endlich geschafft und die der Busfahrer ließ uns mitten im Stadtzentrum den Bus verlassen. Blöd nur, dass dieser Halt auf keinem der offiziellen Fahrpläne eingezeichnet war und der gute Mann uns einigermaßen verwirrt hinterließ. Wo wir waren, erfuhren wir dann von einem Taxifahrer. Dieser konnte uns zwar, trotz lauter Anpreisung, nicht von einer Fahrt mit ihm überzeugen, versprach uns allerdings, dass unser Bus abends sicher wieder an gleicher Stelle abfahren würde. Wir glaubten dem Mann. Und um es vorwegzunehmen, enttäuscht wurden wir nicht.

Zum Glück! Denn ob der Busfahrer kein Englisch konnte, wissen wir bis heute nicht so genau. Hat nämlich einfach nicht mit uns geredet, der gute Mann.

Der Gute war im Übrigen nicht der einzige junge Mann der uns an diesem Tag von einer Fahrt mit einem Gefährt jeglicher Form, Art und Farbe überzeugen wollte. Lautstark. Und mehrmals.

Passte nur leider nicht so ganz zu unseren Plänen. Wie fast immer beschlossen wir die neue Umgebung „per pedes“ und in Ruhe auf eigene Faust zu erkunden. Haben wir nicht bereut.

Etwas Unterstützung haben wir hier, zugegebenermaßen, von den Stadtspaziergängen unserer Reiseführers erhalten. Relativ schnell haben wir uns aber beim Schlendern in dem besonderen Ambiente der Großstadt verloren (Nein, das habe ich nicht aus besagtem Reiseführer abgeschrieben). Havanna ist einfach speziell.

Plagiat! Nein, Spaß. Havanna ist wirklich super cool und hat ein ganz eigenes Flair. Dass man bestimmt nicht wirklich mitbekommt, wenn man sich von einem Taxifahrer rumkutschieren lässt.

Die (auf Fassadenseite) fast vollständig restaurierte Altstadt steht Gegenden gegenüber, die den alten, kolonialen Charme Kubas widerspiegeln. Mit einem Hauch Vergänglichkeit. An der einen oder anderen Stelle ist der Hauch eventuell auch größer. Kinder in schicken Schuluniformen sind in der Stadt ebenso anzutreffen wie Straßenkünstler, die versuchen, eines ihrer Werke an den nächsten Touristen zu verkaufen. Wir haben zugeschlagen. Wir haben natürlich keinen doofen Druck bei dem Künstler gekauft, sondern ein frisch gemaltes Bild. Und verhandelt haben wir natürlich auch noch – geht einfach immer auf Kuba.

Man kann auf der Dachterrasse eines schicken Hotels (Ambos Mundos) Pina Colada für 5 CUC (entspricht 5 USD, weiß der Klugscheißer) aus einer Ananas trinken und sieht an der nächsten Straßenecke Kubaner für den Bruchteil dieses Geldes den Wocheneinkauf bei einem Straßenhändler machen. Wertend meine ich das nicht. Den Cocktail habe ich ja getrunken. War lecker. Der Blick war super. Ob der Sozialismus nebendran funktioniert, interessiert in dem Moment nicht. Muss es auch nicht. Man sollte sich die Umstände an der einen oder anderen Stelle vielleicht nur klar machen.

Das mit dem Hauch stimmt definitiv. Schaut man mal hinter die Fassaden der Häuser, bekommt man einen klassischen Fall von „für den Tourismus aufgehübscht“ zu sehen. Aber gerade das macht es irgendwie aus, durch Havanna zu schlendern. Sobald man sich aus der als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichneten Altstadt Havanna Vieja entfernt, hat es übrigens auch mit den renovierten Fassaden schnell ein Ende. Warum? Weil im Sozialismus zwar alle gleich sind, aber dann eben auch keiner Geld hat, seine Wohnung oder sein Haus zu renovieren. Wir haben es jedenfalls genossen, uns außerhalb der Touriströme ein wenig umzuschauen!

Und eine Frage bleibt für mich sowieso weiter offen: Wieso muss es im teuersten Hotel der Stadt einen Zara-Store geben? Die Gäste könnten dort auf der ganzen Welt einkaufen. Und als Währung werden sowieso nur CUC oder US-Dollar akzeptiert.

Dass die von Nina beschriebenen Gäste natürlich keine Kubaner sind, ist klar, oder? Das Hotel gehört nämlich einer großen europäischen Kette an und nimmt pro Nacht mehr als das Jahresgehalt eines durchschnittlichen Kubaners. Reizend, dieser Kapitalismus!

Aber zurück zu meinem Pina Colada. Der war wirklich zu empfehlen!

Hervorragend, möchte ich sagen! Wie immer wurde nicht am Rum gespart, als Glas hat stilecht eine Ananas hergehalten. Nur zu empfehlen! Nach diesem kleinen flüssigen Snack wurde es Zeit für etwas zu beißen. Auch dafür bietet Havanna genug Möglichkeiten, wir haben uns in einem kleinen Straßencafé ein Sandwich organisiert. Das eigentlich Highlight gab es aber erst danach. Für mich zumindest. Ich habe nämlich einen Mann entdeckt, der direkt mein neuer bester Freund geworden ist. Warum? Weil er frisch gemachte Churros für 0,50 CUC (also so circa 45 Cent) verkauft hat. Da habe ich als alter Schmalzgebäckfan natürlich direkt zugegriffen. Nina war mittelmäßig begeistert (Ich mag halt Churros weder überteuert auf der deutschen Kirmes, noch zum Super-Sparpreis in Kuba.), aber ich hatte ein Grinsen im Gesicht, dass wesentlich länger als nur die schnell weggefutterte Portion gehalten hat.

Mein neuer Freund fürs Leben!
Die besten Churros, die ich je hatte

Nach so vielen anstrengenden Aktivitäten war es dann mal wieder Zeit für einen kleinen Spaziergang aus unserem Freund, dem Reiseführer. Wir also losgetapert und dabei erstmal Havannas sogenannte Prachtstraße, den Malecon (direkt am Meer) abgelaufen. Auch hier gilt: prächtig war das Ganze vielleicht vor 30,40 Jahren. Auch wenn viele Baukräne am Werk sind, die die alten Gebäude sanieren oder gleich ganz neue Bauten hochziehen.

So richtig erlebt man den Malecon aber wohl erst abends, wenn sich die halbe Stadt hier auf ein Getränk trifft, bevor man in Bars und Clubs weiterzieht. Dafür hatten wir aufgrund unserer beschränkten Zeit leider keine Zeit (Holen wir beim nächsten Mla Kuba aber sowas von nach!)…wofür wir aber Zeit hatten, war vom Malecon abzubiegen und uns anzuschauen, wie Havanna außerhalb der Altstadt aussieht. Dabei sind wir erstmal am städtischen und riesigen Krankenhaus (Kuba hat trotz beschränkter Auswahl an Arzneien ein gutes und für alle Kubaner kostenloses Gesundheitssystem) vorbeigekommen, ehe es in einen Bezirk mit eindeutig afrikanischen Einflüssen ging.

Dann war es leider auch schon wieder Zeit, sich auf den Weg Richtung Bushaltestelle zu machen. Denn wir wussten zwar von dem freundlichen Taxifahrer am Morgen, dass der Bus dort halten würde, kannten aber die genaue Abfahrtszeit nicht. Gefuchst wie wir sind, hatten wir geplant, spätestens zur Abfahrtzeit an der Starthaltestelle dort zu sein und dann einfach zu warten. Schließlich musste der Bus ja ans uns vorbei. Sagten wir uns zumindest so lange, bis wir es beide glaubten. Malte wie immer ein bisschen mehr als ich, die im Kopf schon die Hotelübenachtung in der kubanischen Hauptstadt plante.

Früh genug an der Haltestelle waren wir aber jedenfalls. Und haben dann im kubanischem Stil gewartet. Heißt: einen Blick kreisen lassen, Optionen checken, ab in die nächste Bar und einen kühlen Cocktail bestellen. Hat profimäßig geklappt bei uns. Machen wir ja schließlich nicht zum ersten Mal.

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Mojito und Mango Daiquiri – lecker!

Blöd war nur, dass wir beide leicht angespannt jeden vorbeifahrenden Bus (und das waren einige) daraufhin inspiziert haben, ob es unserer sein könnte. Den Strohhalm im Mund und einen Fuß auf der Straße, immer bereit zum losrennen quasi. Aber es kamen lediglich Busse anderer Unternehmen. Unser Bus kam nicht. Und kam nicht. Dafür stieg unsere Nervosität exponentiell an.

Bis wir endlich den heiß ersehnten, Viazul-Bus erspähte hatten, hektisch den letzten Schluck Cocktail tranken und todenmutig über die vierspurige Straße zur Haltestelle sprinteten. War nur leider umsonst – der Bus gehörte zwar zu Viazul fuhr aber nicht nach Varadero. Schade, Schokolade.

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Mal wieder warten – dieses Mal auf den richtigen Bus

Ein weiterer freundlicher Taxifahrer versicherte uns aber, dass auch unser Bus demnächst kommen würde. Haben wir geglaubt (was blieb uns auch anderes übrig) und ein paar Minuten auf einem Grünstreifen in der Sonne gewartet, bis – endlich – unser Bus kam und uns sicher zurück nach Varadero brachte. Alle anderen, die mit uns morgens angekommen waren, saßen übrigens bereits im Bus und waren wohl an der Starthaltestelle eingestiegen. Amateure! Wir haben uns durch unseren smarten Move bestimmt eine zusätzliche Stunde Havanna erkauft. Gut, ich habe auch einiges an Nerven gelassen, aber das war es wert.

Zwei Stunden Busdahrt später waren wir zurück in Varadero. Wo für Nina ein kleiner Horror gewartet hat. Unser Oldtimer-Taxi zurück zum Hotel war nämlich ein Hot-Rod Cabrio. Und der Fahrer hat keine Anstalten gemacht, das Verdeck zu schließen. Ich muss zugeben, dass es vielleicht ein bisschen kalt und windig war, ABER: Es hat Spaß gemacht. Mir zumindest. Nina war heilfroh, wohlbehalten am Hotel angekommen zu sein. Ja, unglaublich spaßig. Könnte ich direkt wieder machen.

Das Abendprogramm bestand dann nur noch aus Duschen, einem leckeren Abendessen und einem Coktail. Perfekt war’s – Havanna, wir kommen definitiv wieder!

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